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Offener Brief an die Bundesnetzagentur: Empfang für alle Baueingänge – jetzt!

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Offener Brief an die Bundesnetzagentur: Empfang für alle Baueingänge – jetzt!

Photo: Slomoz, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Liebe Bundesnetzagentur,

ehrenwertes Amt, das wir bisher nur von Schildern an Autobahnraststätten kannten, hiermit erhebt die Grabenabteilung des Unterbaus förmlich Anhörungsanspruch. Gegenstand der Beschwerde: das Funkloch zwischen Geranienrabatte und Komposthaufen, genauer gesagt sämtliche Baueingänge unseres Reviers.

Die Ausgangslage: Drei Balken Lüge, null Balken Wahrheit

Auf der Verpackung der Nachbarin prangt ein Kartenmotiv mit leuchtend pinker Netzabdeckung. Wir haben das geprüft. Mit den Mitteln der Feldforschung, die uns zur Verfügung stehen: drei Hasen, ein Fernglas, viel Geduld. Ergebnis – die pinkene Fläche endet exakt an der Gartenmauer. Was dahinter liegt, ist für die Telekommunikationslandschaft offenbar ein Nichts, ein Vakuum, ein weißer Fleck auf der Landkarte der Moderne.

Wir haben nichts dagegen, weiße Flecken zu sein. Wir sind schließlich auch auf den meisten Stadtplänen nicht verzeichnet, und das aus guten Gründen. Aber wenn schon Unsichtbarkeit, dann bitte mit der Möglichkeit, ein Foto des frisch geernteten Kohlrabis an die Verwandtschaft zu senden. Das ist kein Luxus. Das ist Grundversorgung.

Fußnote 1: Der Maulwurf und seine unmögliche Reichweite

¹ An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Maulwurf – ein Säugetier, das den Großteil seines Lebens unter der Erde verbringt und dessen Hauptkommunikationsmittel das Schnauben ist – angeblich ein Netz betreibt, das von Hamburg bis zum Bodensee reicht. Wir haben das nicht überprüft. Wir haben nur bemerkt, dass er niemals über Empfangsprobleme klagt. Entweder ist sein Netz hervorragend, oder er führt ein zufriedeneres Leben als wir. Beides wäre eine Schande für die Bundesrepublik.

Die Grabenabteilung schlägt daher vor, künftig die Netzplanung an Maulwürfen zu orientieren. Wo der Grabende läuft, soll Funk laufen. Man nennt das Synergien. Wir nennen es: endlich mal jemanden fragen, der sich auskennt.

Unsere Forderungen, in absteigender Dringlichkeit

Erstens: Flächendeckender Empfang an allen Baueingängen. Nicht 'im besten Fall', nicht 'in Ballungsräumen', nicht 'sobald der Markt es hergibt'. Wir sind ein Ballungsraum. Man schaue in den Bau – hier ballt sich etwas.

Zweitens: Ein eigener Funkmast auf dem Komposthaufen. Die Lage ist ideal, die Wärmeabstrahlung kommt gratis dazu, und die Fäulniswürmer würden durch den neuen Betrieb zusätzlich motiviert.

Drittens: Tarifgerechtigkeit. Wir haben die Tariflandschaft studiert und festgestellt: Sie ist für Hasen nicht gebaut. Deshalb haben wir selbst welche entworfen.

Die Tarifoptionen des Unterbaus

Kontingent Karotte: Unbegrenztes Datenvolumen, bezahlt in Rüben. Bei Überschreitung des Kontingents wird die Verbindung nicht gedrosselt, sondern der Nutzer zum Nachdenken aufgefordert. Dauer: eine Karotte.

Flatrate Feldfrucht: Monatlicher Festpreis in Form von Feldsalat. Gilt in allen Netzen, auch im Maulwurfnetz, sofern dieses existiert und die Fußnote nicht frei erfunden ist.

Prepaid Prärie: Für Gelegenheitsnutzer. Man lädt auf, man telefoniert, man hört beim dritten 'Verstanden Sie mich?' auf. Wie überall, nur ehrlicher.

Bau-Special: Familienanschluss für alle Gräben eines Baus. Der Nachbarnachteil: Man hört mit, was der andere isst. Der Nachbarnutzen: Man weiß, wann es beim anderen Kohl gibt.

Fußnote 2: Eine Anmerkung zur Empfangsqualität

² Bei unseren Testreihen im Blumenbeet ergab sich die paradoxe Beobachtung, dass der Empfang exakt dann am stärksten ist, wenn niemand telefoniert. Wir nennen das den Ruhe-Effekt und bitten die Fachwelt, ihn zu prüfen. Möglicherweise liegt hier der Schlüssel zur Netzpolitik der Zukunft: weniger reden, mehr Lauschen. Wir haben dafür übrigens einen Begriff – Ohrenzeit –, aber das ist ein anderes Protokoll.

Was die Netzabdeckungsdebatte wirklich zeigt

Man könnte meinen, es gehe um Megahertz, Antennen und Sendeleistung. Irrtum. Die deutsche Netzdebatte ist eine Debatte über Grundgefühle: über das Vertrauen in pinkene Karten, über das Gefühl, am Rand zu wohnen, obwohl man genau in der Mitte seines Lebens steht. Wer in einem Funkloch wohnt, fragt sich ständig, ob er überhaupt existiert. Wir Hasen kennen das. Wir existieren offiziell nicht, und trotzdem wachsen unsere Ohren weiter.

Deshalb, verehrte Bundesnetzagentur, fordern wir nicht nur Kabel im Boden und Masten auf Dächern. Wir fordern Anerkennung: Wer kommunizieren will, braucht erstens Empfang und zweitens jemanden am anderen Ende, der zuhört. Letzteres können Sie nicht per Verordnung anordnen. Das überlassen wir besser den Maulwürfen.

Mit empfangsstörungsfreien Grüßen

Die Grabenabteilung des Unterbaus Referat Funk, Gräben & Grundsätzliches

³ Diese Fußnote hat keinen Inhalt. Sie steht hier, weil auch leere Fußnoten ein Recht auf Reichweite haben.

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