Antrag auf Zeitreform: Der Unterbau will den Montag per Beschluss abschaffen
Photo: Moritz Benedict Baer, Public domain, via Wikimedia Commons
Aus dem Unterbau, Abteilung Zeitpolitik, ist diese Woche ein Dokument an die Oberfläche gelangt, das alles bisher Dagewesene an Bürokratie übertrifft: ein formeller Antrag auf die Abschaffung des Montags. Nicht das Aussetzen. Nicht die Verschiebung. Die vollständige, juristisch wasserdichte Abschaffung.
Wir haben das Papier getrocknet, gelesen und für so wichtig befunden, dass wir es hier ungekürzt wiedergeben – mit Anmerkungen der Redaktion.
Die Präambel: Ein Tag auf dem Prüfstand
Der Antrag beginnt, wie alle guten Anträge, mit einer Feststellung: „Der Montag ist kein Naturgesetz, sondern eine Vereinbarung. Vereinbarungen können gekündigt werden."
Die Grabenabteilung hat dafür eine Flache Energiebilanz berechnet: Der Montag liefere im Schnitt null Karotten, dafür aber den höchsten Ohrenhang-Wert der gesamten Woche. Kein anderes Zeitfenster vereine so viel Vorwurf mit so wenig Substanz. „Der Montag ist die Warteschleife der Woche“, heißt es in Ziffer 2. „Und Warteschleifen gehören abgeschaltet, nicht verherrlicht."
Die neun Regeln des Antragstexts
Der Kern des Dokuments sind neun Regelentwürfe, die den Montag schrittweise entwerten – im Stil einer Behörde, die genau weiß, dass sie eigentlich illegal ist, es aber formulierend nicht zugeben will:
- Der Montag wird zum Donnerstag zweiter Klasse erklärt – ohne Stimmrecht, ohne Termine, ohne verbindliche E-Mails.
- Wecker am Montag benötigen eine Begründung in Dreifachausfertigung, vorzulegen bis Sonntagabend, 21:04 Uhr.
- Das Wort „Wochenstart“ wird aus dem Grundgesetz der Umgangsformen gestrichen und durch „Brunchbeginn“ ersetzt.
- Montagstermine dürfen nur im Liegen stattfinden. Stehende Montagstermine gelten als Ordnungswidrigkeit gegen das Ohrzeitgesetz.
- Der Montag bekommt eine Probezeit von weiteren 400 Jahren, nach der erneut über ihn beraten wird.
- Alle Montagskränkungen werden zentral gesammelt und am Freitag in Form von Rosinen ausgeteilt.
- Der Ewige Brunch wird eingeführt – ein Zustand, in dem es Sonntag bleibt, bis jemand wider besseres Wissen einen Kalender aufschlägt.
- Montagsmüdigkeit wird zur anerkannten Ortsüblichkeit erklärt und nicht länger als Charakterfehler behandelt.
- Die Restmontage werden unter den Nachbarn aufgeteilt – bevorzugt an solche, die ohnehin erst mittags aus dem Bau kommen.
Der Ewige Brunch im Detail
Das Herzstück des Antrags ist Ziffer 7, und die Redaktion muss gestehen: Wir hätten nicht besser formulieren können. Der Ewige Brunch ist keine Verlängerung des Wochenendes, sondern dessen Generalisierung. Es gibt keinen Übergang mehr, kein „gleich geht's los“, keinSunday-Scaries-Gefühl am Nachmittag. Es gibt nur noch Tische, auf denen etwas Gutes steht, und die gegenseitige Vereinbarung, niemanden zu fragen, was der Tag bringt.
Kritiker aus dem Fuchslager haben bereits eingewandt, eine Gesellschaft ohne Montag verliere ihre Struktur. Die Grabenabteilung kontert in Fußnote 12 mit einem Satz, den wir hier wörtlich zitieren dürfen: „Struktur ist, wenn die Möhren nach dem Regen sauberer sind. Alles andere ist Kalenderpropaganda.“
Mitläufer gesucht: Das Petitionsplakat
Damit der Antrag nicht im Unterbau versandet, liegt ihm ein Plakat bei, das sich jeder Leser ausdrucken und an jede Tür hängen darf, an der sonst Montagspflichten kleben. Der Text lautet:
HIER GILT OHRENZEIT. Montage werden nicht mehr anerkannt. Beschwerden nehmen wir sonntags entgegen, bei Kaffee.
Das Plakat ist bewusst amtlich gestaltet – mit Rahmen, Siegel und einer Unterschriftszeile für alle, die mittragen wollen. Denn so die Grabenabteilung in ihrem Schlusssatz: „Ein Antrag wird nicht genehmigt. Ein Antrag wird gelebt.“
Die Redaktion hat unterschrieben. Der Kalender im Redaktionsbau zeigt seitdem auf Dienstag, und niemand vermisst etwas.
Über Kommentare, die diesen Antrag unterstützen, freut sich die Zeitpolitik-Abteilung. Über Kommentare, die den Montag verteidigen, übrigens auch – sie werden freitags mit Rosinen beantwortet.