Vollmond, Streu und dreitausend Knabberstücke: Der Unterbau geht auf Festival-Tour
Photo: rabbit in vegetable garden at night full moon festival, via img.freepik.com
Es gibt Momente, in denen die Geschichte des Unterbaus eine Wende nimmt. Etwa wenn der Sprecher der Grabenabteilung mit einem Blatt Salat als Mikrofonstativ vor die versammelte Presse (zwei Maulwürfe, ein verwirrter Igel, wir) tritt und verkündet: „Wir haben beschlossen, feiern zu können.“
Die Geburtsstunde des Knabber-Sound-Festivals
Das Festival trägt den Arbeitstitel „Knabber-Sound im Karottengarten“ und soll laut Programmheft – gedruckt auf einem besonders weichen Kohlblatt – an einem Abend stattfinden, der „irgendwann zwischen Frühjahr und Vollmond“ liegt. Konkreter wurde der Veranstalter nicht, weil, Zitat: „Genauigkeit tötet die Vorfreude.“
Das Gelände ist ein verwilderter Gemüsebeet-Randstreifen hinter dem Komposthaufen. Akustik: ausgezeichnet, solange der Nachbar nicht mäht. Kapazität: hundertzwanzig Hasen, vierzehn Igel (dazu später, es wird noch gestritten) und unbegrenzt Regenwürmer als Publikum von unten.
Das Line-up: Eine Band, die man nicht buchen kann
Das Herzstück des Festivals ist die Legende „Die Ohrenzeppelin“. Die Band spielt ausschließlich bei Vollmond – nicht aus Mystik, wie der Sänger betont, sondern „weil wir dann besser hören können, wen wir stören“. Bei Neumond tritt die Band stattdessen als Stummversion auf, was Kritiker als „das konsequenteste Unplugged-Konzept der Szene“ feiern.
Weitere Acts:
- DJ Kottengrübchen – legt ausschließlich Samples von knackendem Gemüse auf.
- Die Rasensprenger – Punktrio, dessen Auftritt daran scheitert, dass niemand die Sprenganlage bedienen darf.
- Chor der gestrigen Möhren – tritt nur auf, wenn man sie nicht ansieht.
Ticketpreise: Bitte genau knabbern
Der Eintritt beträgt drei Knabberstücke, Sorte egal, aber bitte ohne Verpackung. „Wir sind eine nachhaltige Veranstaltung“, erklärt die Kassenhasin, „Müll, der von oben runterfällt, ist unser größter Feind.“ Kinder unter dem Ohrwurmalter zahlen frei, zahlen dafür aber in Aufmerksamkeit: Wer während der Balladen knuspert, wird höflich in die erste Reihe verlegt, wo das Gras ohnehin kahl ist.
Das Catering verspricht ein Möhren-Menü in sieben Gängen, von „roh und stolz“ bis „roh und überraschend gewürzt“. Wer Veganer ist, hat Glück: Das gesamte Festival ist ausnahmsweise komplett vegan, was der Veranstalter als „historischen Zufall, nicht als Statement“ bezeichnet.
Der Igel-Streit: Backstage für alle mit Stacheln?
Dann kam es, wie es kommen musste: die Backstage-Frage. Igel fordern Zutritt zur Künstlerarea, weil sie sich als „ursprüngliches Publikum“ verstehen. Die Grabenabteilung kontert mit Sicherheitsbedenken: „Ein Igel backstage ist kein Igel backstage, das ist eine Fußangel mit Nase.“
Verhandelt wird derzeit ein Kompromiss: Igel erhalten einen eigenen VIP-Bereich, das „Stoppelzimmer“, zwei Meter neben der Bühne. Erste Reaktion der Igelfraktion: schnaubend positiv.
Wetterfibel und Ausgangsfrage
Ob das Festival tatsächlich stattfindet, hängt – neben dem Vollmond – am Tiefdruckgebiet, das bekanntlich eigene Pläne hat. Die Wetterfibel aus dem Unterbau wird vor Ort ausgelegt. Bis dahin gilt der Wahlspruch des Veranstalters, den er mit zitternden Schnurrhaaren verkündete: „Das Beste an einem Festival ist die Vorfreude. Das Zweitbeste: die Fluchtwege.“
Karten gibt es an der Ostwand des Komposthaufen. Solange der Vorrat reicht. Also: nie.