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Innenarchitektur mit Langohrfaktor: Was Möbel wirklich wert sind, wenn Hasen sie beurteilen

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Innenarchitektur mit Langohrfaktor: Was Möbel wirklich wert sind, wenn Hasen sie beurteilen

Photo: Naula Ayisabun Aningore, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Es gibt Momente, in denen die Menschheit glaubt, ihre Einrichtung sei fertig. Die Wandfarbe ist gewählt, der Teppich geklopft, das Regal gerade – naja, fast. Doch was der Mensch 'fertig' nennt, ist aus hasischer Sicht bestenfalls eine Rohbaubewilligung. Wir haben daher die Hasen-Innenarchitektengilde (HIA, Sitz: dritter Karton von links) gebeten, die typischen Möbelstücke eines deutschen Wohnzimmers einer sachverständigen Prüfung zu unterziehen. Die Gilde kam. Die Gilde nagte. Die Gilde urteilte.

Der Kleiderschrank: Hochhaus mit Aussichtssperre

Zunächst das beeindruckendste Bauwerk im Raum: der Schrank. Aus Hasensicht handelt es sich um ein Hochhaus der Kategorie 'einschüchternd'. Die Gilde verleiht dem durchschnittlichen Drehtürenschrank drei von fünf Knabbersternen – Abzug gibt es für die Türen, die sich plötzlich schließen, ohne dass ein Warntonsystem installiert wäre. 'Man läuft in Richtung Sockelleiste, und zack, dunkel', beschwert sich Prüfhasin Gunda Knoppers im Prüfungsprotokoll. 'Architektonisch ein Verbrechen an der Ohrenfreiheit.'

Positiv vermerkt wurde hingegen der Schrankfuß: ein perfekt dimensionierter Spalt, unter dem sich ein ausgewachsener Zwergkaninchenrammler samt Proviant aufhalten kann. Die Gilde empfiehlt, diesen Spalt in jedem Mietvertrag ausdrücklich als 'Bewohnbarkeitssubvention' auszuweisen.

Das Sofa: Eine Höhlenlandschaft mit Tendenz zum Einsturz

Das Sofa erhielt die wohlwollendste Beurteilung des gesamten Gutachtens. Vier von fünf Knabbersternen. Begründung: 'Es ist im Grunde ein präfabrizierter Bau mit vorgefertigten Gängen, nur ohne Bauaufsicht.' Die Ritze zwischen Sitzkissen und Armlehne wurde als 'begehrteste Immobilie des Quartiers' eingestuft, direkt gefolgt vom Bereich unter dem Hussensockel, der laut Gutachten 'klimatisch unübertroffen und akustisch gedämmt' sei.

Kritik gab es nur an einem Punkt: die sogenannte Federkernmatratze. 'Was da bei Belastung quietscht', so die Gilde, 'hat nichts mit Bauqualität zu tun, sondern mit den letzten Worten der Vorbesitzer.' Dennoch: Wer ein Sofa besitzt, besitzt laut HIA faktisch ein Zweifamilienhaus – eine Familie mit Decke und Fernbedienung, eine ohne.

Der Teppich: Kurdistan des Komforts

Nun zum umstrittensten Kapitel des Gutachtens. Der Teppich, von Menschen meist als 'laufkälteschutztechnische Notlösung' betrachtet, wird von der Gilde als Kurdistan des Komforts geführt – ein weitläufiges, grenzenloses Weichland, in dem jede Langohrfamilie ihr eigenes Stück Glück beanspruchen darf. Fünf von fünf Knabbersternen. Einziger Minuspunkt: der Staubsauger, der laut Gutachten 'ein wanderndes Naturkatastrophenereignis mit Steckdose' darstellt, gegen das keine Fluchtlinie der Welt ausgelegt ist.

Besonders geschätzt wird die Teppichkante als Grenzübergang. Wer dort sitzt, gehört offiziell zu zwei Reichen zugleich: zum Teppichreich der Weichheit und zum Parkettreich der Rutschgefahr. Diplomatisch vermittelnde Hasen nennen diesen Streifen 'die gepolsterte Oder-Neiße-Linie'.

Der Esstisch: Die Kathedrale

Und dann der Tisch. Die Gilde verneigt sich. Ein massiver Esstisch ist aus hasischer Sicht die Kathedrale des Raumes: vier tragende Pfeiler, ein gewaltiges Gewölbe aus Sperrholz, und darunter – man ahnt es – der wichtigste Versammlungsort der Zivilisation. Hier werden Verträge geschlossen, Fluchtwege geprobt und Karotten gerecht geteilt (theoretisch). Der Tisch erhält vier von fünf Knabbersternen, Abzug für Stuhlbeine, die 'wie ein Wald aus unverzeihlichen Hindernissen' wirken.

Sonderkategorie: Die Packschnur

Zum Abschluss das Ereignis. Die Gilde hat beschlossen, die blaue IKEA-Packschnur ab sofort als heiliges Relikt zu führen. Warum? Weil sie das einzige Objekt im modernen Haushalt ist, das sich in Sekunden in einen Bau, eine Hängematte, ein Kauspielzeug und eine Notfall-Abspannseil-Lösung für den Kartonbau verwandeln lässt. 'Die Schnur ist das Schweizer Taschenmesser unter den Fasern', heißt es im Beschluss wörtlich. 'Wer sie wegwirft, hat die Architekturgeschichte nicht verstanden.'

Die Menschheit möge daher künftig beim Möbelkauf nicht nach dem Lack fragen, sondern nach dem Spalt. Nach der Ritze. Nach dem Raum unter dem Raum. Denn eines ist gewiss: Ihr Wohnzimmer war nie Ihres allein. Es gehörte immer schon allen – vor allem denen mit den besten Ohren.

Das Gutachten der HIA wurde vollständig unter dem Sofa verfasst und ist dort auch archiviert. Rückfragen werden nur per Klopfzeichen beantwortet.

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