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Halten auf Verlangen, aber nur im Möhrenbeet: Eine Vergleichsstudie zur Pünktlichkeit

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Halten auf Verlangen, aber nur im Möhrenbeet: Eine Vergleichsstudie zur Pünktlichkeit

Photo: Ian S , CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Es gibt zwei Arten von Verkehrsbetrieben in diesem Land: solche, die sich öffentlich entschuldigen, und solche, die schlicht nie erwartet werden. Der Unterbau gehört zur zweiten Kategorie – und das ist, wie eine frisch veröffentlichte Vergleichsstudie der Grabenabteilung zeigt, der Schlüssel zu allem.

Das Erfolgsgeheimnis: kein Fahrplan

Unsere Erhebung erfasste über drei Monate hinweg sämtliche Bewegungen zwischen Gemüsegarten, Komposthaufen und dem verrosteten Gartenzwerg mit Blick Richtung Zaun. Das Ergebnis ist verblüffend: 100 Prozent Pünktlichkeit. Kein einziger Gang verspätete sich, kein einziges Mal.

Kritiker könnten einwenden, dass niemand weiß, wann diese Gänge eigentlich hätten stattfinden sollen. Genau das ist der Punkt. Pünktlichkeit ist relativ – sie benötigt lediglich einen Beobachter mit Erwartungshaltung. Die Hasen haben diese Erwartung konsequent abgebaut, und schon verschwindet die Verspätung wie eine Ansage über die Lautsprecher im Hauptbahnhof: da, aber unverständlich.

Die Deutsche Bahn hingegen kämpft mit Fahrplänen, die gedruckt werden, mit Ankunftsuhrzeiten, an die man sich sogar halten könnte, und mit einer Pünktlichkeitsstatistik, die – wie jedem bekannt – Ausnahmen so großzügig definiert, dass selbst der Komposthaufen darin als Naherholungsgebiet durchginge.

Fallbeispiel: Der Express zum Kohlrabi

Betrachten wir einen konkreten Betriebstag im Unterbau. Um 'irgendwann nach Sonnenaufgang' startet der Express Richtung Kohlrabibett. Er erreicht sein Ziel 'in angemessener Distanz später' – Verspätung: null. Der Rückverkehr über den Johannisbeerenstraßenzug folgt 'nach Bedarf'. Auslastung: perfekt, denn die Grabenabteilung fährt nur, wenn sie selbst Lust hat. Nenne man das in der Wirtschaftswelt, man würde es 'Bedarfsverkehr der Zukunft' taufen und auf einer Messe in Hannover ausstellen.

Besonders beeindruckt war die Jury vom Streckenausbau: Statt kilometerlanger Baustellen mit Umleitungsschildern, die niemand versteht, gibt es im Unterbau genau eine Baumaßnahme pro Jahr – das Graben eines neuen Ganges –, und diese wird in einer Nacht abgeschlossen. Ohne Baumaterial. Ohne Ausschreibung. Ohne dass am Ende ein Schild steht: 'Wir bitten um Ihr Verständnis.'

Die Statistik-Lektion

Die Hasen haben bei ihrer Analyse auch die deutsche Pünktlichkeitsdebatte unter die Lupe genommen und drei unbequeme Wahrheiten notiert:

Erstens: Je öfter man Pünktlichkeit misst, desto unpünktlicher wirkt man. Der Unterbau misst nie – und steht dadurch glänzend da.

Zweitens: Ein Verspätungsgrund, der 'außergewöhnlich' genannt wird, ist umso glaubwürdiger, je öfter er außergewöhnlich vorkommt. Die Hasen führen als außergewöhnlichen Grund ausschließlich 'der Geranie war kalt' an. Kommt selten vor. Funktioniert.

Drittens: Wer als Fahrgast nie weiß, wann der nächste Gang abfährt, kann auch nie enttäuscht werden. Die Bahn nennt das 'Kundenkommunikation auf niedrigem Niveau'. Der Unterbau nennt es 'Freiheit'.

Der Notfallfahrplan im Selbstversuch

Besonders scharf kritisierte die Grabenabteilung den Begriff 'Notfallfahrplan'. Notfälle definiere man im Unterbau anders: Wenn die Naschversorgung am Johannisbeerstrauch zusammenbricht, wird sofort reagiert – nicht nach drei Monaten Prüfung durch eine Projektgruppe, sondern innerhalb von Sekunden. Ohren hoch, losgelaufen, Problem gelöst. Kein Beschaffungsverfahren, keine Vergabestelle, kein 'Der Zug fiel heute aus, bitte nutzen Sie die Alternative' – wobei die Alternative im Bahnsprech meist ein Bus ist, der später kommt als der Zug, der nicht kam. Im Unterbau ist die Alternative immer: ein anderer Gang. Bis zu zwölf nebeneinander. Baugleich, schnell, kostenlos.

Die Petition: Hasenbahn statt Notfallfahrplan

Angesichts dieser Befunde hat der Unterbau offiziell eine Petition aufgegleist: 'Hasenbahn statt Notfallfahrplan'. Kernforderungen im Wortlaut:

Die Chancen der Petition stehen gut. Schließlich hat sie gegenüber allen bisherigen Vorschlägen einen entscheidenden Vorteil: Sie kostet nichts, weil die Hasen das Streckennetz eh schon gebaut haben. Man muss es nur finden. Tipp: Es beginnt hinter dem Kompost und endet genau da, wo Ihr Salat war.

Fazit mit Federkiel

Die deutsche Pünktlichkeitsdebatte wird weitergeführt werden, mit Gutachten, Gipfeln und Grafiken. Der Unterbau derweil fährt weiter – pünktlich, lautlos, ohne Ansage. Und falls Sie das nächste Mal am Bahnsteig stehen und der Monitor 'unbekannt' anzeigt: Das ist kein Fehler. Das ist die Hasenbahn. Sie ist längst da. Sie hat nur keinen Fahrplan, weil sie keinen braucht.

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