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Nachbarschaftskunde

Grünflächendebatte im Ehrenamt: Das offizielle Wahlprogramm der Freien Wildkräuterunion

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Grünflächendebatte im Ehrenamt: Das offizielle Wahlprogramm der Freien Wildkräuterunion

Liebe Mitkaninchen, liebe zweibeinige Gartenfreunde,

jedes Jahr dasselbe Ritual: Der Rasenmäher startet seinen Frühjahrseinsatz mit dem Enthusiasmus eines Fuchses vor dem Hasenbau, und wir müssen zusehen, wie der letzte Löwenzahn des Viertels untergeht. Das hat ein Ende. Die Freie Wildkräuterunion (FWU) tritt an – nicht zur Bundestagswahl, sondern zur viel wichtigeren Wahl über die Seele unserer Nachbarschaftsgärten.

Das Zehn-Punkte-Programm (gekürzt auf acht, wir sind sparsam)

1. Freie Wildkrautpassagen. Jeder Garten erhält mindestens einen ungemähten Korridor von 30 Zentimetern Breite entlang der Zaunseite. Wir nennen es Grünstreifen, die Gartenbaubehörde nenne es besser bald Biotop.

2. Rasenmäher-Ruhetag. Sonntags zwischen 7 und 20 Uhr gilt absolute Schnittstilllegung. Nicht aus Lärmgründen – aus Respekt vor der Mittagsruhe der Erdbeeren.

3. Grundrecht auf Gemüsebeeteinfahrt. Wer einen Salat anbaut, muss mit Besuch rechnen. Eine kleine Abgabe von zwei Blättern pro Kopf ist nicht Bestechung, sondern Gartennutzungsgebühr.

4. Ende der Gartenzwerg-Diktatur. Ein Zwerg am Teich ist Deko. Zwölf Zwerge in Formation sind eine Militärparade. Wir schlagen eine Zweidrittelmehrheit im Beet vor – mit Warteschleife.

5. Klee-Offensive. Klee ist kein Unkraut, sondern ein Stickstoffsammler mit Verbinderfunktion. Kurz gesagt: das soziale Herzstück jedes Rasens.

Was klingt wie Satire, ist aber ernst

Jetzt wird es überraschend bodenständig: Hinter allen Pointen steckt eine echte Beobachtung. Studien zur Artenvielfalt zeigen, dass ein gemähter, monokultureller Rasen ökologisch ungefähr so viel hergibt wie ein Parkplatz mit Grasaufdruck. Wer auch nur eine Ecke stehen lässt, bekommt binnen Wochen Hummeln, Igel und – ja, wir geben es zu – Kaninchen.

Das Stichwort heißt Slow Gardening: weniger Geräte, mehr Beobachten, geduldiges Warten statt wöchentlicher Rasur der Grünfläche. Es ist die Garten-Version von Slow Food, nur ohne den Preis eines Mittagstischs in München.

Der gemeinschaftliche Teil

Und hier kommt die Nachbarschaft ins Spiel, denn Gärten enden nicht am Zaun – sie beginnen an der Nachbarsgrenze. Unser Vorschlag: Gartentauschbörsen auf Augenhöhe (bei uns: Schnupperhöhe). Die einen haben zu viele Johannisbeeren, die anderen zu wenig Zeit zum Gießen, und alle haben einen Zaun, der eigentlich eine Brücke sein könnte.

Ein gemeinsames, halbwildes Nachbarschaftsbeet ist übrigens der beste Konfliktlöser, den wir kennen. Man kann sich über die Heckenhöhe streiten oder gemeinsam zusehen, wie die ersten Radicchio-Sprenkel auf den Salat kommen. Letzteres gewinnt erfahrungsgemäß.

Wahlkampfende, praktischer Teil

Die FWU verspricht: keine Wahlversprechen, die wir nicht selbst fressen würden. Setzen Sie diesen Sommer eine Ecke aus. Mähen Sie seltener. Lassen Sie den Löwenzahn blühen, bis er sich schämt und weiterzieht.

Und wenn Sie nächstes Frühjahr einen Hasen zwischen den Wildkräutern sitzen sehen: Das ist kein Schädling. Das ist Ihr neuer Bürgermeister.

Gewählt wird mit beiden Ohren. Wahlkampfende: sobald der erste Salat keimt.

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