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Der Blumenbeet-Hofstaat: Wer im Rabatten wirklich das Sagen hat

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Der Blumenbeet-Hofstaat: Wer im Rabatten wirklich das Sagen hat

Photo: Blumenbeet Gänseblümchen Rose Löwenzahn Gartenschere Sommer, via media04.meinbezirk.at

Wer glaubt, ein Blumenbeet sei eine bunte Ansammlung zufällig gepflanzter Stauden, hat die Machtverhältnisse im eigenen Vorgarten nicht verstanden. Die Redaktion hat drei Sommer lang vom Fensterbrett aus Feldforschung betrieben – teils mit dem Fernglas, teils mit viel zu viel Kaffee – und kann jetzt enthüllen: Das Rabatten ist ein Hofstaat. Und zwar ein komplizierter.

Die Rose thront. Natürlich thront sie.

Beginnen wir beim Offensichtlichen: Die Rose ist die Königin, und sie weiß es. Sie braucht keine Blütenpracht das ganze Jahr, um ihre Stellung zu behaupten – zwei Wochen Glanz im Juni reichen, danach zieht sie sich in ihr Dornenregierungsviertel zurück und lässt das Personal (Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit der Gartenschere) den Rest erledigen.

Interessant ist nur, wer die Rose umgibt. Denn am Hof gibt es Ränge, und die werden nicht vererbt, sondern erkämpft. Oder, im Fall der Gänseblümchen: einfach massenhaft besetzt, bis niemand mehr widerspricht. Die Gänseblümchen sind das Fußvolk, die Garde, der vorletzte Kreis um den Thron. Sie sind überall, sie sind anspruchslos, und sie haben verstanden, was so manche Zierstaude bis heute verschweigt: Wer sich nicht abhauen lässt, wird nicht rausgejätet.

Der Löwenzahn: Selbstherrlicher Quereinsteiger mit Einfluss

Dann gibt es noch die Figur, ohne die kein Hofstaat funktioniert: der Umstürzler. Der Löwenzahn kam nie per Antrag, er kam durch den Zaun, und seitdem ist er nicht mehr wegzudenken. Offiziell wird er geschmäht – „Unkraut!“, ruft der Hof (also die Nachbarin mit dem zweiten Haus am Teich, die ihr Beet mit Buchsbaumkante eingefasst hat wie eine Festung). Inoffiziell aber hängt jeder mit ihm zusammen. Er liefert Nahrung für die Bienen, wenn die Nobilität noch schläft, und er hat die beste Selbstironie des ganzen Rabattens: Er verwandelt sich in eine Pusteblume und verteilt seine Nachkommen per Luftpost in die gesamte Nachbarschaft. Das nennt man politisches Netzwerken.

Die Nelke und der verweigerte Thronanspruch

Nun zur heikelsten Personalie. Die Nelke stand jahrelang in der Reihe der Thronfolger – sie hat Blüte, Duft, Haltung. Und doch wurde ihr Anspruch nie anerkannt. Warum? Die Hofchronik (ein Notizbuch, dessen erste Seite „Klatsch und Tratsch, streng geheim“ verkündet) gibt Aufschluss: Die Nelke hat bei der letzten Beetenkung schlicht gefehlt. Man weiß nicht, ob sie krank war, ob sie die Einladung überlas oder ob sie schlicht im Gartencenter des Vertrauens nicht lieferbar war. Seitdem gilt: Wer bei der Krönung fehlt, wartet eben auf die nächste. Die Nelke hat das mit Würde getragen, aber man sieht es ihr an. Sie steht da wie jemand, der beim Vereinsheim-Tresen nie eingeteilt wird, obwohl er immer da ist.

Der illustrierte Stammbaum

Für alle, die es offiziell brauchen, hier die Rangfolge in Kurzform:

  1. Die Rose – Souveränin, Dornenadministration, delegiert alles
  2. Die Pfingstrose – die reiche Cousine, erscheint nur eine Woche im Jahr und überstrahlt dann alle
  3. Die Nelke – Thronanwärterin auf Bewährung, wartet seit 2019
  4. Das Vergissmeinnicht – Hofchronist, weiß alles, sagt nichts
  5. Die Gänseblümchen – Garde, Fußvolk, Mehrheitsfraktion
  6. Der Löwenzahn – Quereinsteiger, ehrenamtlich, unausrottbar beliebt
  7. Der Rasenrand – das Grenzpersonal, ständig gestutzt, nie gefragt

Wie Sie selbst an den Hof kommen

Und nun zum ernst gemeinten Teil, denn die Kaninchenrevolution wäre keine Revolution, wenn sie nicht auch Türen öffnen würde: Sie können Anträge stellen. Der Hofstaat nimmt Bewerbungen an, allerdings nur über den offiziellen Weg – nämlich über das Gartencenter und über Sie. Ein paar Grundregeln aus der Praxis:

Fazit: Das Beet regiert sich selbst

Am Ende bleibt festzuhalten: Wir gärtnern nicht, wir verwalten eine Monarchie, die uns toleriert. Die Hierarchie im Blumenbeet ist älter als jeder Gartengestaltungsplan, und sie wird überleben, wenn wir längst im Ruhestand nur noch zusehen. Wer das akzeptiert, gartent entspannter. Und wer es nicht glaubt, möge sich nächsten Sonntag an sein Fenster stellen und genau hinsehen.

Die Redaktion übernimmt keine Haftung für Erkenntnisse, die Ihnen dabei über den Weg hoppeln.

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