Ausbruchskonferenz im Unterbau: Die Grabenabteilung präsentiert ihre neun sinnreichsten Fluchtwege
Es gibt Räume, von denen ahnt man sofort, dass hier Geschichte geschrieben wird. Der Besprechungsbau der Grabenabteilung gehört dazu. Deckenlampen gibt es nicht, dafür ein Wurzelgeflecht, das im Halbdunkel wie eine abstrakte Kunstinstallation wirkt. An der Wand eine Tafel aus Presslinge, darauf in eindrucksvoller Krümelschrift: Sitzung des Fluchtrats – Tagesordnung: Alles.
Wir waren dabei. Aus Gründen der Verschwiegenheit nennen wir unsere Quelle nur „Griselda, Erste Nase".
Plan Nummer 1 bis 3: Die Klassiker
Jeder gute Katalog beginnt traditionell, und so auch dieser. Plan eins, der Komposttunnel, gilt als Hochbaukunst schlechthin: 1,40 Meter unter dem Küchenabfall, thermisch günstig, akustisch unauffällig. Einziger Haken: Die Grabenabteilung hat ihn 2019 begonnen und seither exakt 40 Zentimeter vorangetrieben. Griselda nennt das „nachhaltige Projektgeschwindigkeit".
Plan zwei, die Heckenlüge, sieht vor, sich durch die Thujahecke ins Nachbargrundstück zu arbeiten. Das Problem: Die Hecke gehört dem Herrn Bleymüller, und Bleymüller hat einen Gartenschlauch mit Sprinklerfunktion. Die Abteilung stuft das als „militärische Bedrohung" ein.
Plan drei ist schlicht „Rennen". Kein Detail, keine Vorbereitung, keine Nachbesprechung. Wurde zweimal versucht, zweimal abgebrochen, weil unterwegs ein Löwenzahn stand.
Die Operation Gartenzwerg
Das Herzstück des Archivs, gewidmet eine ganze Tafel. Die Idee: Ein Kaninchen posiert reglos neben dem Gartenzwerg, wird vom Menschen als Dekoration wahrgenommen, und sobald die Terrassentür schwingt – Ausbruch.
In der Theorie brillant. In der Praxis scheitert der Plan an der Disziplin. Kaninchen, so Griselda, seien nun einmal keine Statisten. Nach durchschnittlich elf Sekunden beginne die Putzsession, danach das Ohrzucken, danach laufe alles auseinander. „Wir haben gelernt", sagt sie feierlich, „dass wir keine Zwerg sind. Das war ein wichtiger Erkenntnisprozess."