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Rücktritt mit Knuspergarantie: Protokoll aus dem Untersuchungsausschuss 'Zukünftige Naschversorgung'

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Rücktritt mit Knuspergarantie: Protokoll aus dem Untersuchungsausschuss 'Zukünftige Naschversorgung'

Es gibt Momente, in denen man als Reporterin für die Kaninchenrevolution den Stift ansetzen will und dann doch nur staunend dasitzt. Montagvormittag, zwölf Uhr Ohrenzeit, Hörsaal Eiche im Hinterbau des Kleingartenvereins 'Grüner Hoppel': Der erste öffentliche Untersuchungsausschuss des Kaninchenstaats zur Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass plötzlich niemand mehr nach der Karotte greift.

Der Ausschussvorsitzende, ein graumäuliger Rammler mit Lesebrille auf der Schnauze, tippte drei Mal aufs Mikrofon. Dann sprach er die Worte, die in den nächsten Tagen jede Hasenschule, jeden Gemüsestand und garantiert auch zwei oder drei Lifestyle-Podcasts erreichen werden:

"Die Karotte hat ihren Rücktritt erklärt. Wir nehmen sie mit Würde und einem letzten Krachen zur Kenntnis."

Die Karotte tritt ab – und die Delegation nickt

Wer geglaubt hatte, die Karotte würde mit einem emotionalen Abschlussstatement kommen, wurde getäuscht. Sie kam pünktlich, orangefarben wie immer, leicht staubig an der Spitze, und stellte sich an das Rednerpult. "Ich habe der Gemeinschaft vierzig Jahre gedient", sagte sie mit einer Stimme, die nach Erdreich klang. "Ich habe mich durch jeden Winterspeiseplan gebissen, ich war Mittagsmahlzeit, Trostnahrung und Belohnung in einem. Aber ich spüre, dass ich nicht mehr gefragt werde. Die Jungen wollen mich nicht mehr, und die Alten tun nur so."

Dann schwieg sie. Das Publikum im Hörsaal, ein Gemisch aus Stadthasen, zwei verwirrten Igeln und einer Katze, die sich offensichtlich verlaufen hatte, war still. Nur irgendwo hinten knackte es, was der Vorsitzende sofort als "unzulässiges Vorabknuspern" brandmarkte.

Die Karotte, so viel wurde im Laufe der Ausschusssitzung klar, fühlt sich vom Löwenzahnblatt überrollt. Das grüne Kraftpaket, bis vor Kurzem nur als "Unkraut mit Selbstbewusstsein" bekannt, hat in den vergangenen zwei Wintern eine bemerkenswerte Karriere hingelegt: erst in den Fachblättern, dann in den Feinschmeckerecken der Wochenzeitungen, schließlich auf den selbst gebastelten Infotafeln der Kleingärten. Heute steht es dort, wo früher die Karotte stand: auf dem Podium der Macht.

Zeugenaussage eines Stadthasen: "Ich weiß nicht mehr, was ich essen darf"

Besonders bewegend war die Aussage von Herrn Klappohr, Stadthase aus dem dritten Hinterhof links, der als Zeuge geladen war. Klappohr, sichtbar überfordert, berichtete von seinem Alltag im Superfood-Dickicht:

"Früher wusste ich Bescheid. Karotte rein, fertig, glücklich. Heute steht die Karotte im Regal und schaut mich traurig an, daneben glänzt ein Löwenzahnblatt und behauptet, es sei entzündungshemmend. Von was eigentlich? Mir ist nichts entzündet. Ich esse einfach, was da ist. Aber ich habe das Gefühl, ich mache alles falsch."

Klappohr brach bei "entzündungshemmend" in Tränen aus. Die Katze, die inzwischen im Publikum ein eigenes Publikum hatte, wurde gebeten, den Saal zu verlassen.

Der Ausschuss nutzte die Gelegenheit, eine weitere Zeugin zu hören: Frau Radieschen, langjährige Wegbegleiterin der Karotte und selbst gelegentlich im Gespräch als "das unterschätzte Rot" bezeichnet. Sie blieb diplomatisch: "Ich habe mit der Karotte viele Winter überstanden. Ich bin nicht hier, um sie zu beerdigen. Aber ich sage auch nicht, dass sie noch ganz oben ist. Das wäre gelogen, und Lügen vertragen sich schlecht mit Wurzelgemüse."

Das Löwenzahnblatt lächelt – und gibt eine Pressekonferenz

Das eigentliche Ereignis des Tages: Das Löwenzahnblatt gab im Anschluss an die Ausschusssitzung eine kurze Pressekonferenz. Es wirkte entspannt, fast schon ein wenig zu entspannt für eine Pflanze, die vor zwei Jahren noch von jedem Gärtner mit der Hacke verfolgt wurde.

"Ich möchte mich nicht als Nachfolgerin inszenieren", sagte das Blatt mit einer Gelassenheit, die man bei Superfood nur von Chiasamen kennt. "Ich möchte einfach da sein, wo ich gebraucht werde. Und wo man mich gerade braucht, ist offenbar überall."

Auf Nachfrage, ob es sich vorstellen könne, in Zukunft auch in der Tiefkühltruhe zu landen, wurde das Löwenzahnblatt plötzlich vorsichtig: "Das ist eine Frage, die ich mit meinem Team klären muss."

Es hat ein Team. Die Karotte hatte nie ein Team. Das allein sagt alles.

Was der Fall für uns alle bedeutet

Der Untersuchungsausschuss wird fortgesetzt, das steht fest. Schon kursieren Gerüchte über die nächste Zeugin: ein Bund Petersilie, der angeblich von einer "geheimen dritten Kraft" in der Kräuterspalte weiß. Auch die Brennnessel soll vorbereitet sein, obwohl sie sich offiziell noch nicht geäußert hat – vermutlich, weil sie noch darüber nachdenkt, ob sie überhaupt mitreden will oder lieber weiter stachelt.

Was aber bleibt, ist eine Erkenntnis, die weit über den Hasenstaat hinausreicht: Nahrungsmittel kommen und gehen, aber die Frage, was man eigentlich essen darf, bleibt für immer unbeantwortet. Die Karotte mag abtreten. Der Hunger bleibt. Und irgendein Stadthase wird auch morgen im Regal stehen, zwischen einem glänzenden Superfood und einer verwelkten Ikone, und sich fragen, was man ihm heute wohl empfiehlt.

Die Kaninchenrevolution begleitet den Ausschuss selbstverständlich weiter. Nächste Sitzung ist am Donnerstag, Ohrenzeit. Es gibt Kaffee, es gibt Kekse, und es gibt die leise Hoffnung, dass irgendjemand in diesem Saal endlich weiß, was er isst.

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