Drei Wochen im Kaninchen-Modus: Was mein Heizkostenvergleich von Pelzkugeln lernen kann
Die Energiekrise hat uns alle erreicht: die Politik, die Preise, der Herr Schmitt von gegenüber, der seit September jede Heizkörperentlüftung wie eine Generalprobe behandelt. Ich habe darauf reagiert, wie man in dieser Zeitung darauf reagiert: wissenschaftlich. Drei Wochen lang habe ich versucht, nach dem Vorbild meiner Kaninchen Hoppel und Kläuschen zu leben.
Hier das Protokoll. Bitte ernst nehmen. Oder auch nicht.
Woche eins: Wärmemanagement durch Pelzkugel-Prinzip
Kaninchen haben keine Heizung. Kaninchen haben Strategie. Sie kugeln sich zusammen, reduzieren ihre Oberfläche auf ein Minimum und warten. Ich habe das nachgebaut: Decke bis zur Nase, Knie an die Brust, Fernseher aus (Strom!), und dann: warten.
Ergebnis: warm, aber gelangweilt. Hoppel schafft das acht Stunden am Stück, ohne Podcast. Ich habe nach vierzehn Minuten angefangen, mit der Decke zu sprechen. Die Decke hat nicht geantwortet, aber das Heizungsdisplay schon: 19,5 Grad. Sparziel knapp verfehlt, Würde gerettet.
Woche zwei: Nahrungsbeschaffung durch strategisches Mampfen
Kläuschen ernährt sich von Heu, das eigentlich Streu ist. Respekt. Ich habe versucht, mich von Dingen zu ernähren, die im Haushalt ohnehin vorhanden sind: Linsen aus 2021, ein Kürbis mit Charakter, Reis in einer Menge, die kein Kochrezept rechtfertigt.
Wichtig war mir das Prinzip des strategischen Mampfens: langsam kauen, viel kauen, während des Kauens nichts anderes tun. Kaninchen mampfen bis zu sechseinhalb Stunden täglich. Ich habe es auf zwei Stunden gebracht und dabei festgestellt: Wer langsam isst, isst weniger und hat mehr Zeit, über die Heizung nachzudenken. Die steht übrigens auf 19 Grad. Herr Schmitt wäre stolz. Oder entsetzt.
Woche drei: Energieerzeugung durch Nervosität
Der anspruchsvollste Teil des Experiments. Kaninchen erzeugen Wärme durch ständige leichte Anspannung – sie sind quasi laufende Kleinkraftwerke mit Ohren. Ich habe versucht, mich in einen vergleichbaren Zustand zu versetzen: E-Mails offen gelassen, Termine knapp gehalten, den Balkonkredit-Zins nie aus den Augen verloren.
Messaussage meines Fitnesstrackers: Ruhepuls von 74 auf 91 gestiegen. Kalorienverbrauch plus. Heizungsbedarf minus. Die Energiebilanz ist hervorragend, die Heilungsprognose fraglich.
Nebenbefunde aus dem Hasen-Ökosystem
Drei Erkenntnisse am Rande, die man nicht in Beratungsgesprächen findet:
Erstens: Rabatt-Gutscheine sind das Heu des modernen Menschen. Man hortet sie, braucht sie nie, und fühlt sich sicher. Zweitens: Eine Helium-Heizung (Kläuschen hat sie erfunden, glaube ich, jedenfalls schwebt sie irgendwie über jeder Diskussion) löst keine Probleme, macht aber Gespräche lustig. Drittens: Die klügste Energiesparmaßnahme bleibt Gesellschaft. Zwei Kaninchen wärmen sich gegenseitig. Zwei Menschen streiten sich über Thermostatventile. Da hat der Hase klar gewonnen.
Fazit: Hoppel für den Bundesrat
Nach 21 Tagen im Kaninchen-Modus lautet meine Bilanz: 23 Euro gespart, ein Kürbis verarbeitet, ein Ruhezustand erreicht, den man eigentlich nur aus der Tiermedizin kennt.
Hoppel und Kläuschen haben kein Energiewendekonzept, keine Klausur und keinen Koalitionsvertrag. Sie haben aber drei Dinge, die uns fehlen: Pelz, Geduld und die Fähigkeit, ohne Heizungsdisplay glücklich zu sein. Vielleicht sollte der Bundesrat mal ein paar Hasen einladen. Die mampfen wenigstens leise.
Der Selbstversuch ist beendet. Die Heizung bleibt auf 19. Und der Kürbis – der war übrigens wirklich ausgezeichnet.